Wochenrückblick #48

Weihnachtsmarkt in der Kölner Altstadt

Restaurant in der Kölner Altstadt

Seit sehr vielen Jahren ist es zur Tradition geworden, dass ich mich mit einem früheren Arbeitskollegen auf dem Kölner Weihnachtsmarkt treffe. Die milden Temperaturen haben es diesmal zugelassen, dass ich mit dem Fahrrad von Rodenkirchen aus in die Innenstadt geradelt bin. Große Teile der Kölner Innenstadt sind zu einer Art von Weihnachtsmarkt-Erlebnis-Landschaft geworden, anders als zum Beispiel in Düsseldorf oder auch Bonn, wo sich einzelne Märkte an ausgewählten Plätzen ausbreiten. Beginnend am Schokoladenmuseum, gehen ab dem Heumarkt die Weihnachtsmärkte mit ihren Ständen bis zur Domplatte fließend ineinander über. Das Menschengewimmel auf der Eisbahn auf dem Heumarkt hat mich an Gemälde von Brueghel erinnert, wie er Winterlandschaften voller Eis und Schnee, wo jede Menge Volk sich auf der Eisfläche tummelt, gemalt hat. Am Alten Markt begleitete der Krippenpfad mit seinen mannshohen, holzgeschnitzten Krippenfiguren die Marktbuden. Zu vorgerückter Stunde hat am Denkmal von Jan von Werth eine Musikgruppe Kölsche Weihnachtslieder gespielt. Meine Wahrnehmung war in diesem Jahr intensiver, wohl auch wegen der Terroranschläge in Paris. So strahlte das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Heumarkt in den französischen Nationalfarben blau-weiß-rot. Große Mengen an Menschenvolk waren unterwegs, und es herrschte eine regelrechte Volksfeststimmung. Die Menschen bevölkerten nicht nur Glühweinstände und die Marktbuden mit ihrem Warenangebot, sondern auch die umliegenden, zahlreich in der Altstadt vertretenen Brauhäuser. Heizstrahler, über die Umweltschützer wohl schimpfen würden, lockten die Menschen an Kneipen und Restaurants nach draußen. Die Stimmung war wie in einer lauen Sommernacht, wo alles auf den Beinen war und niemand an ein Ende der Nacht dachte.

Polizeipräsenz

Polizei am Kölner Heumarkt

Weihnachtsmärkte und Polizei, daran musste ich mich gewöhnen. Drei Polizeifahrzeuge hockten auf demselben Fleck, während ich in einer Seitenstraße zum Heumarkt mein Fahrrad an einem Fahrradabstellbügel ankettete. Aus dem Führersitz eines Polizeitransporters starrten Polizisten auf die Weihnachtsbeleuchtung eines Brauhauses, auf der Heckfläche eines quer geparkten 9-Sitzers lagerten Schutzhelme. An dem dritten Polizeifahrzeug, einem Kombi, verdichteten sich die Anzeichen, dass es zu einem Einsatz kam. Polizisten prüften die Personalien eines Endzwanzigers, der einen krausen, kurz gehaltenen Vollbart trug. Dunkelhäutig, wie er war, hätte man ihn vielleicht in den Vorderen Orient oder die Arabischen Staaten einordnen können. Nachdem sie ihn auf den Rücksitz befördert hatten, fuhren sie weg mit ihm. An anderer Stelle gaben Polizisten sich Mühe, sich unauffällig unter das Volk zu mischen. Hin und wieder begegneten mir die dunklen Uniformen umher spazierender Polizisten. Ebenso patrouillierten private Sicherheitsdienste, dessen dunkelblaue Dienstuniformen eine Nuance heller waren. Ob die Polizeipräsenz mögliche Terroristen abschreckt, vermag ich nicht zu beurteilen. Auf Weihnachtsmärkten habe ich mich ohnehin bemüht aufzupassen. Gauner, Banden und Kleinkriminelle treiben dort mit ihren Taschendiebstählen ihr Unwesen. Vielleicht helfen all die Polizisten und privaten Wachleute wenigstens, die Kleinkriminalität einzudämmen.

Rückfahrt in der Nacht bei Vollmond

Vollmond über dem Rhein

Mit dem Fahrrad meide ich die Dunkelheit, da das Naturerlebnis sehr gedämpft ist, wenn ich die Natur – sofern überhaupt – nur in schattenhaften Umrissen erkennen kann. Dazu kommt eine gewisse Gefahr, dass ich selbst Gefahrenstellen entweder zu spät erkenne oder selbst von Autofahrern trotz Beleuchtung zu spät gesehen werde. Da andere sich genauso verhalten, war ich dementsprechend einsam und alleine unterwegs. Zwei, drei einzelne Jogger, ein Fahrradfahrer – das war es vorläufig. Zunächst ging es an den Poller Wiesen vorbei, wo sich jenseits des Rheins energisch und zupackend ein versprenkeltes Lichtermeer aufbaute. Die Eindrücke verstärkten sich im Dunkeln, als ich hinter der Rodenkirchener Autobahnbrücke den Rhein erreichte. Der strahlendweiße Ball der Vollmondes leuchtete vom Himmel herab. Und mit ihm leuchtete der Rhein. Die Wasseroberfläche glänzte, warf das helle Licht zurück und zerstreute sich erst weit hinter dem Rheinufer. Das Trugbild eines hellen Tages war perfekt. Die Bewegungen der Rheinschiffe durchdrangen mich. Ohne einer Menschenseele zu begegnen, waren Ruhe und Stille märchenhaft. Die Schiffsanlegestelle in Porz hing ziellos über dem Rhein, der Zündorfer Yachthafen wiegte sich im Mondlicht. Dem Rhein abgekehrt, nahm ich ab Zündorf die Landstraße. Eingehüllt in die Einsamkeit der dunklen Nacht, waren Autos Fehlanzeige. Geruhsam fuhr ich weiter durch die menschenleere Nacht, wo die Rauchsäulen der petrochemischen Industrie in Wesseling in der Ferne kleine Zeichen in die Nacht sendeten. In Niederkassel angekommen, war es an einigen Punkten mit der Menschenleere vorbei. Die Uhrzeit näherte sich elf Uhr, und an Bushaltestellen rottete man sich zusammen. Dreizehn-, vierzehn-, fünfzehnjährige Jungens alberten, derbes Gelächter hallte in den Nachthimmel, das sich in Wallungen verstärkte, als sie sich gegenseitig anschauten. Schule ? Ich konnte mir kaum vorstellen, dass sie mit derselben Konzentration, wie sie anschließend auf ihren Smartphones herum klimperten, am nächsten Tag dem Schulunterricht würden folgen können. Schließlich holte ein Bus mich ein, und albernde Horden hatten sich auf den Sitzflächen des Busses vereinigt.

Adventsbasar in der Grundschule

vor der Aula der Grundschule

Es gibt Events in der Vorweihnachtszeit, da möchte ich mich am liebsten verkriechen. So war in den ersten Grundschuljahren der Adventsbasar eine stinklangweilige Angelegenheit. Ich irrte herum, nichtssagende Gesichter erstarrten. Kinder rannten auf dem Schulhof heillos durcheinander. Gruppen und Grüppchen ignorierten mich, Frauenthemen wogten an Stehtischen zwischen Kinderkrankheiten, Kochrezepten und Hausarbeit hin und her. Die Begrüßungsrede der Schulleiterin schläferte mich ein, und all die Arbeit, die hinter den Basteleien in den Klassenräumen steckten, habe ich gar nicht überschaut. Die Langeweile übermannte mich, wenn ich an meinem Kaffee schlürfte und wenn die wenigen Gesprächspartner, die ich kannte, sich aus dem Staub machten. So war der Adventsbasar in der Grundschule ungefähr so positioniert, als müsste ich einen Zahnarzttermin wahrnehmen. Mit Kinderkommunion, Messdienen und Fußball – das sind die Aktivitäten unserer Kleinen - hat sich das nun relativiert, da sich Netzwerke zu anderen Eltern gebildet haben. Die vierten Schuljahre agieren zudem um einiges selbstständiger, so dass ich diesmal so etwas wie Freude empfunden habe, mit unserer Kleinen dorthin zu gehen. Zwänge haben sich entzerrt, da ich eine Stunde lang an der Kaffee- und Mineralwassertheke mitgeholfen habe. Was die Mithilfe betrifft, sind Sommerfeste, Schulfeste oder Adventsbasare allerdings allgemein ein zähes Thema. „Ich möchte Euch nochmal bitten mir zu antworten, wir brauchen Eure Hilfe, vor allen Dingen beim Kuchenverkauf, ebenso brauche ich immer noch Kuchen- und Waffelteigspenden. Ich brauche Euch, es ist schließlich für unsere Kinder. Antworten erbitte ich bis zum 11.11.2015“, solche Appelle kursieren in e-Mails regelmäßig bei solchen Gemeinschaftsveranstaltungen, da sich nie eine ausreichende Anzahl von Helfern zusammenfindet. Ich bewundere da die Initiative all derjenigen, die Helfern hinterher rennen müssen. Sie brauchen eine hohe Frustrationstoleranz, um solch eine Veranstaltung überhaupt auf die Beine zu stellen. Bei einem Beginn freitags nachmittags um 15 Uhr wackelt bei so manchem Berufstätigen aber auch die Zeitplanung.

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