Jean Nicolas Ponsart - Landschaftsmaler aus Malmédy/Belgien an Rhein, Ahr, Eifel

Das Konstrukt war schon merkwürdig. 1815, als auf dem Wiener Kongreß die großen Staatsmänner Europas verhandelten, konnte Preußen seinen Machtbereich tief nach Westen erweitern, doch die Ost-West-Achse war löchrig. Von Berlin aus regiert und durch fremde Staaten in der Mitte amputiert, ergaben Grafschaften, Herzogtümer, Bistümer, Erzbistümer einen Flickenteppich, der sich Rheinland nannte. Höchst kurios war der äußerste westliche Zipfel: nach heutiger Lesart undenkbar, reichte dieser Zipfel bis nach Belgien hinein, bis an die Grenze zum Fürstbistum Lüttich. Die Abteien in Stavelot und Malmedy, beide gegründet in der Spätantike, im Mittelalter wuchsen sie zu einer Einheit zusammen, derselbe Abt regierte sie, teilten sich den Herrschaftsbereich zweier Bischöfe: Stavelot gehörte den Lütticher Fürstbischöfen, Malmedy den Kölner Erzbischöfen. Nach 1815 wurden die Gebiete um Malmedy Preußen zugeschlagen, und die Zugehörigkeit zu Deutschland blieb auch so bis 1920.

Gedenktafel in Altenahr (oben), Laacher See (unten)

Quelle: www.eifel-und-kunst.de

In eben diesem Flecken Malmédy orientierten sich die Menschen bisweilen anders. Ihr Netzwerk reichte nach Belgien hinein, das 1830 neu auf der europäischen Landkarte entstand, sie lagen im französischen Sprachraum, das auf das Zentrum Paris ausgerichtet war, sie waren kulturell und wirtschaftlich mit dem Rheinland verbunden.

„Dem Maler und Bewunderer des Ahrtales J. Nicolas Ponsart aus Malmédy, geboren 1788, gestorben 1870, von seinen Freunden“, diese Gedenktafel aus Bronze, gestiftet vom Eifelverein, man übersieht sie leicht, führt ein Nischendasein im Schatten von Ausflugslokalen. Nicht unweit führen Treppenstufen hinauf auf die Burgruine von Altenahr, und diese Burgruine, gezeichnet mit Tunnel davor, umspült von der Ahr, mit Bauern und Vieh, mit Wanderern, mit Zirkusvolk und Bären, umringt von der Berglandschaft der Eifel, stets schön, in geschmeidigen, zurecht gemachten Stimmungen, hatte es Jean Nicolas Ponsart angetan.

In Malmédy geboren, war es Anliegen seines Vaters, dass er seine Lederfabrik weiterführen sollte. Um sich Deutschkenntnisse anzueignen, schickte er seinen Sohn nach Bonn-Bad Godesberg auf eine Sekundarschule. Danach lernte er in Paris Einzelhandelskaufmann, um 1811 den Betrieb seines Vaters zu übernehmen. Doch das Metier der Lederverarbeitung sagte ihm überhaupt nicht zu, so dass er 1818 seinen Job schmiss. Danach entdeckte er seine Berufung zur Malerei und studierte bis 1825 an der Düsseldorfer Kunstakademie, die damals einen landschaftsbetonten, naturalistischen Stil pflegte, wobei er sich zeitweise am Aachener Theater mit Jobs als Dekorationsmaler und Bühnenbildner über Wasser hielt.

Nach seinem Studium verband ihn eine enge Freundschaft mit dem Maler Jean-Baptiste Madou aus Brüssel. Gemeinsam verbesserten die beiden die Techniken der Lithografie, um aus Zeichnungen im Steindruckverfahren Schwarz-Weiß-Drucke herzustellen. Solche Lithografien, die das Maastal von der französischen Grenze bis Lüttich darstellten, stellte er erstmals 1830 in Paris aus.

Altenahr (oben), Mayschoss und die Saffenburg (unten)

Quelle: www.eifel-und-kunst.de

Ständig in Bewegung, führten ihn danach seine Wege zurück ins Rheinland. Mit den Malern der sogenannten „Düsseldorfer Schule“, die sich der Landschaftsmalerei widmeten, schwärmte er an den Rhein, in das Ahrtal und in die Eifel aus. Dabei fesselte ihn das Ahrtal, als er Zeichnungen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln von Altenahr, Mayschoß und Rech fertigte. Die Technik der Lithografie verfeinerte er. 1831 stellte er in Paris aus, was er in der Eifel und an der Ahr gezeichnet hatte. Unter der Überschrift „Souvenirs de l’Eyfel et des Bords de l’Ahr dans La Prusse Rhénane“ (auf Deutsch: Erinnerung an die Eifel und die Ufer der Ahr in Rheinpreußen) fertigte er aus den Zeichnungen Lithografien, die sich reproduzieren ließen und, verglichen mit einem Gemälde, in einer höheren Stückzahl absetzen ließen. Die Lithografie machte ihn in Paris bekannt, und so suchte er, diese Technik in das Rheinland zu übertragen. Daraufhin pendelte Jean Nicolas Ponsart zwischen Paris und dem Rheinland.

Jean Nicolas Ponsart blieb der Rheinprovinz verhaftet, und so tauchte er ab in Details der Landschaften, indem er die fünf Regierungsbezirke Aachen, Düsseldorf, Koblenz, Köln und Trier studierte. Die schönsten Landschaften und Sehenswürdigkeiten fasste er in seinem Werk „Souvenirs de la Prusse Rhénane“ („Erinnerungen an die Rheinprovinz“) zusammen. Beseelt von all seinen Erfolgen, kannte sein Selbstbewusstsein keine Grenzen, so dass er sein Werk sogleich an den Preußischen König schickte. Dieser war angetan, von so viel Anmut und Schönheit der Rheinprovinz, und prompt schickte er einen Dankesgruß zurück: „Ich habe mit besonderem Vergnügen die beiden neuen Lieferungen ihrer eben herausgekommenen Erinnerungen aus Rhein-Preußen erhalten. Dieselben können den beiden ersten würdig an die Seite gestellt werden und gereichen Ihnen zu großer Ehre. Ich nehme an der Fortsetzung Ihres so schönen Werkes einen recht lebhaften Anteil.“ Das war 1834.

Bei so viel Reiselust und bei so viel romantischer Landschaftsästhetik, blieb es nicht aus, dass sich seine Wege kreuzten mit Dichtern, Literaten, Professoren und Studenten, die von Bonn aus Rhein und Ahr erkundeten. Arndt, Kinkel und Simrock lernte er nicht persönlich kennen, er verschlang aber die Beschreibungen ihrer Wanderungen an die Ahr. Jean Nicolas Ponsart eiferte ihnen nach und wanderte von der Quelle in Blankenheim das Ahrtal hinunter bis Sinzig am Rhein. So erschien 1840 sein Wanderatlas „Itinéraire de la vallée de l'Ahr depuis Rech jusqu'á Kreuzberg („Wege des Ahrtals von Rech bis Kreuzberg“), den er, entsprechend seiner bisherigen Werke, reichlich mit Zeichnungen illustrierte.

Rheininsel Nonnenwerth (oben) und Bonn (unten)

Quelle: www.eifel-und-kunst.de

Ab 1842 zog sich Jean Nicolas Ponsart in seine Heimat zurück. Er trat an einer Oberschule in Malmédy in den Schuldienst über und unterrichtete bis 1866 Kunst. So ganz ließ ihn in dieser ruhigen Zeit die Technik der Lithografie nicht los. Er erkundete Ziele in seiner Nähe, das war das Tal der Vesdre, dessen Flußverlauf bei weitem nicht so spektakulär war wie das Ahrtal. Verviers und Limbourg waren seine Motive, die die Grenzen der Rheinprovinz überschritten und zum Fürstbistum Lüttich gehörten. Seine frühere Kreativität konnte das Tal der Vesdre nicht wiederbeleben. Er isolierte sich in Malmédy, ein größeres Werk blieb aus, zumal die Fotografie der Malerei jegliche Grundlagen entzog. Später wurde er taub, 1870 starb er. Kaum jemand erinnerte sich an sein Werk nach seinem Tod, obschon er ein lebendiges Beispiel war für einen Europäer, der pendelte zwischen unterschiedlichen Kulturräumen und diese in seiner Kunst zusammenführte.

Das änderte sich erst 1938, als der Heimatverein aus Malmédy ihm ein Denkmal setzte, weil sich sein einhunderfünfzigster Geburtstag jährte. Deutschland folgte in der Nachkriegszeit, als der Tourismus das Ahrtal erschloss und sein Herz für die romantischen Windungen des Flusses entdeckte. Ponsart passte in dieses Schema hinein: die Burgruine Altenahr mit der tiefgründigen Leidenschaft des Ahrtales. 1987 widmete ihm der Eifelverein in Altenahr eine Gedenktafel.

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